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Aus dem Tagebuch eines Hausmeisters “ Der Tag beginnt ”

Montag 07.00 Uhr: Arbeitsbeginn.

Stimmt nicht ganz, denn eigentlich bin ich schon seit 05.30 Uhr unterwegs. Heute beginnt eine ungerade Kalenderwoche und das heißt für mich: “Bio-Tonnen an die Straße stellen“. So eine volle Bio-Tonne stinkt nicht nur zum Gotterbarmen, sie ist auch richtig schwer. Und sie sorgt auch für den richtigen Sound wenn man sie wie ich jetzt, über das Kopfsteinpflaster zieht. Wer, wie z.B. Familie Müller Meier Schmidt, unter deren Schlafzimmerfenster ich gerade polternd  die Tonne ziehe, bei offenem Fenster schläft,  dürfte spätestens jetzt wach sein. Dazu kommt die Duftspur der Verwesung die sich wie ein unsichtbarer Schleier seinen Weg durch das auf Kipp stehende Fenster sucht. Ich habe nur eine wage Vorstellung davon wer mich heute morgen alles zum Teufel wünscht. Dabei ist es nun wahrlich nicht meine Schuld    ( ist es sowieso nie ) das ich schon früh am morgen Krach machen muss. Die Müllabfuhr beginnt um 06.00 Uhr mit der Abholung und bis dahin müssen alle meine Tonnen an der Straße stehen. Basta. Als Hausmeister muss Mann tun was Mann tun muss.

 
Bis jetzt war mein Diensthandy ausgestellt. Aber nun, da es 07.00 Uhr ist und meine Arbeitszeit offiziell beginnt, schalte ich es ein. Gleich wird es piepen und mir sagen das ich Anrufe in Abwesenheit hatte und das meine Mail Box Nachrichten für mich bereit hält. Bingo! Auf mein Handy ist Verlass! Ich habe 9 Anrufe in Abwesenheit und auf meiner Mail Box warten 2 Anrufe darauf, abgehört zu werden. Bei den 9 Anrufen in Abwesenheit handelt es sich immer um die gleiche Nummer. Das ist nicht gut. Wenn jemand so oft versucht hat anzurufen, dann muss es wichtig gewesen sein. Hab ich gestern irgendjemanden versetzt? Vielleicht ein Student dem ich die Schlüssel für sein Studentenzimmer übergeben wollte. Ein Student der extra aus “Ganz Weit Weg” angereist kam und nun, da ich nicht zum verabredeten Termin erschien, in seiner Verzweifelung wieder und immer wieder meine Nummer anrief. Die Nummer seines Hausmeisters. Seinem einzigen Ansprechpartner in der Fremde.
Vielleicht seinem einzigen Freund den er in dieser Stadt jemals haben wird. Allein in Wolfsburg. Diesem Schmelztiegel des …
Ach was soll’s… ich werde mich später darum kümmern. Ist eh zu früh um zurückzurufen.
Vielleicht ein Wort zur Erklärung.
Hin und wieder, wenn zimmersuchende Studenten von so “Ganz Weit Weg” kommen das sie ein Zimmer vor der Anmietung nicht selbst in Augenschein nehmen können, dann habe ich die Erfahrung gemacht das der Eine oder die Andere davon ausgingen das der Hausmeister auch nach Feierabend noch im Gebäude anzutreffen ist.  Der geneigte Leser weiß natürlich das dem nicht so ist. Alle anderen wissen es bitte jetzt. In meinem Fall sitzt der Hausmeister nach Feierabend in der Regel vor dem Fernseher und nutzt sein Sky Abo.  Und das Handy ist aus.

Apropos Handy!
Jetzt erstmal die Mail Box abhören. Anruf 1 - Freitag 26. 6.  19.34 Uhr : “ Hallo, ist da der Hausmeister? Ich wollte nur sagen das bei uns im Treppenhaus die Birne kaputt ist. Ich dachte es gehört zu ihren Aufgaben das zu kontrollieren. Ich frag mich wann da mal jemand kommt und das repariert. Oder muss erst jemand stürzen. Trotzdem schönen Tag noch.”
Kein Name. Keine Adresse. Keine Telefonnummer um zurückzurufen. Na ja, bei 75 Hauseingängen die ich betreue… für mich ein Klacks. Da hab ich ja schon mal eine schöne Aufgabe für heute.

Anruf 2 - Freitag 26.6. 19.36 Uhr : “ Ja ich noch mal. Mein Name ist Rotleff, Lessingstraße 97. Wegen dem Licht.”

Na siehste, geht doch. Auf einen Schlag hab ich mir mindestens 4 Stunden Sucherei erspart. So gesehen hab ich die ja jetzt übrig. Könnt ich ja heute eher gehen.

Das mit der Birne im Treppenhaus mach ich später.
Aber ich schreib mir das mal lieber auf. Bevor ich es vergesse.
Ich fühl mich sicherer wenn ich immer alles aufschreibe. Ich hab so ein ganz tolles Notizbuch geschenkt bekommen in das ich alles reinschreibe. Sie stehen bestimmt auch schon mit drin. Ich schäme mich nicht zu sagen das mein Gedächtnis zu 80 Prozent aus Rindsleder besteht.
In diesem Notizbuch steht auch drin was ich mir für heute vorgenommen habe. Als Erstes: Mülltonnenplätze sauber machen. Das ist übrigens ein Eintrag den ich niemals abhaken kann. Dieser Eintrag bleibt dauerhaft in meinem Büchlein, denn er ist von immerwährender Gültigkeit. Müllplätze sind in den meisten Fällen wahre Müllplätze. Ich habe mich bereits mit allem bewaffnet was ich zum Säubern eines Müllplatzes brauche. Ich habe es ordentlich im Anhänger meines Dienstfahrrads verstaut. Mein Dienstfahrrad ist mein ganzer Stolz! Ein Dreigang Damenrad mit Körbchen am Lenker. Da kann man sicherlich im Laufe der Jahre noch nachbessern.
Ich erreiche ziemlich schnell den Platz der es am Nötigsten hat. Die fein säuberlich neben den Tonnen abgestellten Abfallsäcke sind leer und der Inhalt liegt wie ein Teppich über dem Platz verteilt. Mein Blick fällt auf den Handpuster. Damit hätte ich in Sekunden alles zusammengepustet. Bräuchte es nur in die Restmülltonne zu schaufeln. Ich hab gelesen so ein Handpuster ist so laut wie eine vorbei fliegende F 16. Mit dem Unterschied das diese F 16 ja nicht vorbei fliegt. Sie kreist vielmehr über dem Müllplatz. Dann halt doch lieber OldSchool. Zu einem richtigen Hausmeister gehört eben auch ein richtiger Straßenbesen.
Obgleich ich sagen muss das mir ein Mieter schon mal zu Dank verpflichtet war als ich ihn durch das Geräusch (“Krach” ist so ein hässliches Wort) meines Pusters aus dem Schlaf gerissen hatte. Sein Wecker hatte in der Nacht den Geist aufgegeben und nur durch mich und meinen Laubbläser hatte er nicht verschlafen. Gut möglich das er dadurch einer Abmahnung seines Arbeitgebers entging. Laubbläser können also so gesehen  durchaus auch Arbeitsplätze erhalten. Zumindest in diesem Fall.
Noch etwas fällt mir immer wieder auf. Es betrifft das trennen von Müll. Ich glaube das viele Menschen glauben das man Müll gar nicht trennen kann weil Müll ja nur aus einer Silbe besteht.
Dabei ist Müll trennen so überaus wichtig. Gerade in Zeiten wie diesen. Den “Geiz ist Geil” Zeiten. Ich erlebe es hin und wieder das Tonnen nicht abgeholt werden weil sie außer dem, was reingehört, auch ganz viel beinhalten was nicht reingehört.
Ganze Kinderwagen finden sich in der gelben Tonne. Altkleider in der Papiertonne. Auf diesen Tonnen klebt dann ein Etikett auf dem steht: “Fehlbefüllung”.
Das ist so eine Art “Post it” von der Müllabfuhr und bedeutet das sie für einen haufen Geld noch mal wiederkommen und die Tonne abholen. Geld das wir uns sparen sollten.
Und lassen sie mich an dieser Stelle noch etwas hinzufügen.

Mülltrennen rettet nicht die Welt.
Mülltrennen rettet die gute Beziehung zum Hausmeister.

Das mein Handy klingelt, genau in dem Moment da ich zum Besen greifen will, wundert mich nicht wirklich.
Denn genau so war es Gestern auch. Und Vorgestern. Und Vorvorgestern und und und….
Eine aufgeregt klingende Stimme bittet mich schnell zu kommen, denn im Heizungskeller kommt Wasser aus der Wand.
Ich werfe meinen Besen in den Anhänger und düse los.
Früher hätte man mich erst stundenlang suchen müssen. Ich hätte mühelos den Müllplatz reinigen können. Vielleicht sogar noch zwei drei weitere. Ok, der Keller würde dann vermutlich unter Wasser stehen, der Müllplatz allerdings wäre sauber.  Doch jetzt, da alle ein Handy haben…

Das nur mal zur Erklärung warum Müllplätze immer vermüllt sind. Warum der Hausmeister kommt und dann unverrichteter Dinge wieder wegfährt.
Es liegt am Mobilfunk.


28.2.16 22:58

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